{"id":484,"date":"2015-03-09T21:56:45","date_gmt":"2015-03-09T19:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/?p=484"},"modified":"2015-03-10T11:43:22","modified_gmt":"2015-03-10T09:43:22","slug":"der-zorn-verwirrt-die-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/?p=484","title":{"rendered":"Der Zorn verwirrt die Vernunft"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008080;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline; color: #800000;\"><a style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/musikverlag-nickel.eu\/Autoren\/Schwenk.html\" target=\"_blank\">Fredrik Schwenk<\/a><\/span> \u00fcber &#8222;Zweites Trio &amp; Abgesang&#8220;<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">Zwischen dem ersten Klaviertrio, das in einem der ersten Konzerte der <span style=\"text-decoration: underline; color: #800000;\"><a style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.adevantgarde.de\/\" target=\"_blank\">aDevantgarde<\/a><\/span> bereits 1990 uraufgef\u00fchrt wurde und in welchem sich erstmals eine von postavantgardistischen Konventionen befreite, von der Reduktion rhythmischen und intervallischen Materials gekennzeichneten \u00c4sthetik und der Urauff\u00fchrung des zweiten Klaviertrios im Mai 2011 in der Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste in M\u00fcnchen liegen 21 Jahre. \u201eDer Zorn verwirrt die Vernunft, auch wenn er deren Urteil folgt, aber er hilft zur raschen Tat.\u201c Dieses aus den quaestiones disputatae de malo entnommene Zitat des Thomas von Aquin trifft auf sicherlich auf beide Klaviertrios zu, so wie der Widerspruch formaler Strenge und energetischer Freiheit als Motto \u00fcber vielen Werken der vergangenen 20 Jahre stehen k\u00f6nnte. Und dennoch ist das Material des zweiten Klaviertrios komplexer, das klassizistische Formmodell durchdrungener, die Energie des ersten, aber vor allem des letzten, in ein enges formales Korsett geschn\u00fcrten Abschnitts berstender als die Steigerungswellen des \u00e4lteren Werkes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">Wie auch das erste, so wurde auch das zweiten Klaviertrio unmittelbar nach der Urauff\u00fchrung einer Revision unterzogen. W\u00e4hrend jedoch im \u00e4lteren Werk einige wenige Details ver\u00e4ndert wurden, erhielt der formal unbefriedigend lange mittlere Abschnitt des j\u00fcngeren Werkes einen zentralen neuen Formteil. Aus der dreiteiligen wurde eine etwa zwanzig Minuten dauernde Gesamtanlage, die streng genommen jener f\u00fcnfteiligen gro\u00dfen Liedform folgt, wie sie h\u00e4ufig in langsamen S\u00e4tzen sp\u00e4ter Kammermusikwerke von Schubert zu finden ist. Da es sich jedoch nicht um einen einzelnen Satz aus einer mehrs\u00e4tzigen Gattung handelt, steht der formale Rahmen im Zeichen der Ver- bzw. Umklammerung des nachkomponierten Kernst\u00fccks, das dem sp\u00e4tklassischen Scherzotypus um 1800 wesensverwandt ist. Den inneren Rahmen des Scherzos bilden zwei lyrische Mittelteile, deren Harmonik von Ferne an eine Verbindung zweier Akkorde von Django Reinhardt erinnert, w\u00e4hrend der \u00e4u\u00dfere Rahmen von zwei schnellen Abschnitten gepr\u00e4gt ist, die gegens\u00e4tzlicher nicht sein k\u00f6nnten und doch beide ungeduldig, zornig aufbrausend einander erg\u00e4nzen. Gerade wo der er\u00f6ffnende Abschnitt energetisch nach vorne zu immer neuen Kulminationspunkten dr\u00e4ngt, beginnt der Schlussabschnitt quasi unisono mit geballter Kraft und verpufft ins Leere, ins Offene, ins Weite, ohne jedoch tats\u00e4chlich dorthin zu gelangen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">Dieser Umstand macht den Abgesang notwendig. Der Beginn der Sarabande des Cellos mit seinen historisierenden Doppelgriffen l\u00e4sst den letzten Abschnitt des Trios transitorisch erscheinen, als gelange man durch eine Art materialistisches Inferno hindurch zu neuem Material, das ganz aus den Bruchst\u00fccken des alten gewonnen werden konnte. Violine und Klavier sind zur\u00fcckgeblieben, nur das Cello entwickelt aus dem lapidaren Akkordmaterial zwei Varianten &#8211; premier et deuxi\u00e8me agr\u00e9ment, bevor es hinaus schreitet ins Freie zu einer Sarabande en plein air. Mit dem dernier agr\u00e9ment von Ferne an die Intensit\u00e4t des vorangegangenen Trios erinnernd, verfl\u00fcchtigt sich das Material, die Akkorde in Arpeggios aufgel\u00f6st und am Ende in vagen Flageoletts sich wie ein geruchloses Gas vollst\u00e4ndig von selbst aufl\u00f6send. Und so bleibt auch am Ende des Abgesangs der nicht greif- bzw. identifizierbare Eindruck des K\u00f6rperlosen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">Hamburg, M\u00e4rz 2015<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><em>Urauff\u00fchrung des Trios am 19.05.2011 mit Anna Skouras, Johannes Gutfleisch und Volker Banfield (Trio) und Niklas Schmidt (Abgesang) in der Bayerischen Akademie der sch\u00f6nen K\u00fcnste.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><em>Auftragskomposition der Bayerischen Akademie der sch\u00f6nen K\u00fcnste.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\"><a style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/musikverlag-nickel.eu\/Titel\/Schwenk%20ZWEITES%20TRIO%20UND%20ABGESANG.html\" target=\"_blank\">ZWEITES TRIO UND ABGESANG<\/a><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\">f\u00fcr Violine, Violoncello und Klavier<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\">ISMN 979-0-700344-08-5 \/ MVN 60 (Part.)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\">34,- EUR<\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\"> <a style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/musikverlag-nickel.eu\/Musikverlag.htm\" target=\"_blank\">Musikverlag V. Nickel, M\u00fcnchen<\/a><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\">(erscheint in k\u00fcrze)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fredrik Schwenk \u00fcber &#8222;Zweites Trio &amp; Abgesang&#8220; Zwischen dem ersten Klaviertrio, das in einem der ersten Konzerte der aDevantgarde bereits 1990 uraufgef\u00fchrt wurde und in welchem sich erstmals eine von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,4],"tags":[],"class_list":["post-484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fredrik-schwenk","category-neuerscheinungen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=484"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":490,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/484\/revisions\/490"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.musikverlag-nickel.eu\/NEWS-BLOG\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}